Ich möchte doch eigentlich nur töpfern

Zwischen Ton, Brennofen und fertiger Keramik wartet noch eine ganz andere Arbeit: Fotos, SEO, Produkttexte, Marketing und Shoptechnik. Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen meines Keramikstudios.

Töpfern zwischen Handwerk, SEO und Onlineshop

Wenn ich an meine Arbeit mit Keramik denke, sehe ich zuerst Ton vor mir. Meine Hände, die eine Form entstehen lassen. Den Moment, in dem aus einer ersten Idee langsam eine Vase, ein Kerzenhalter oder eine Räucherschale wird.

Genau das ist der Teil, den ich liebe.

Ich möchte töpfern, ausprobieren und mich mit jedem Stück weiterentwickeln. Doch ein Keramikstudio besteht heute nicht nur aus Ton, Werkzeugen und einem Brennofen. Sobald die fertigen Arbeiten auch verkauft werden sollen, beginnt eine zweite Arbeit, die von außen kaum jemand sieht.

Nach dem Töpfern beginnt die Arbeit am Computer

Ein fertiges Keramikstück muss fotografiert werden. Das Licht soll stimmen, die Farben sollen möglichst echt wirken und verschiedene Ansichten sollen zeigen, wie das Stück tatsächlich aussieht.

Danach folgen Maße, Produktbeschreibungen, Preise, Versandangaben und rechtliche Informationen. Für jedes Produkt werden passende Suchbegriffe benötigt, damit es bei Google, Etsy oder im eigenen Onlineshop überhaupt gefunden werden kann.

Dazu kommen SEO, Algorithmen, soziale Medien, Buchhaltung, Zahlungsanbieter, Versandprogramme, Datenschutz und technische Einstellungen. Und jedes System funktioniert ein wenig anders.

Manchmal sitze ich länger am Computer, als ich zuvor an einem Keramikstück gearbeitet habe.

Handgemacht bedeutet heute mehr als Handwerk

Für Kundinnen und Kunden ist am Ende meist nur das fertige Produkt sichtbar. Hinter diesem einen Stück stehen jedoch viele einzelne Arbeitsschritte.

Der Ton wird vorbereitet, geformt und möglicherweise später abgedreht. Das Stück muss langsam trocknen, wird zum ersten Mal gebrannt, glasiert und anschließend erneut gebrannt. Danach folgen Kontrolle, Fotos, Text, Shop, Verpackung und Versand.

Handgemacht bedeutet deshalb für mich inzwischen nicht mehr nur, etwas mit den Händen herzustellen. Es bedeutet auch, all die Aufgaben zu übernehmen, die sonst in größeren Unternehmen von verschiedenen Abteilungen erledigt werden.

Als kleine Keramikwerkstatt bin ich gleichzeitig Gestalterin, Fotografin, Texterin, Verpackerin, Buchhalterin, Kundenservice und manchmal widerwillig auch meine eigene IT-Abteilung.

Wenn sich die Keramik in den Regalen stapelt

Natürlich könnte ich all diese Aufgaben einfach beiseiteschieben und nur töpfern. Aber ohne Fotos, Produkttexte und Sichtbarkeit finden die fertigen Stücke nur schwer den Weg zu den Menschen, für die sie gemacht wurden.

Dann füllen sich nach und nach die Regale.

Dort stehen Vasen, Kerzenhalter und andere Einzelstücke, in die viel Zeit und Aufmerksamkeit geflossen sind. Sie sind fertig und warten darauf, entdeckt zu werden. Doch ein gutes Produkt allein reicht im Internet leider nicht aus. Es muss auch gefunden werden.

Das ist manchmal frustrierend. Besonders dann, wenn ich eigentlich neue Ideen im Kopf habe und lieber mit den Händen im Ton wäre, statt mich mit einem weiteren technischen Problem zu beschäftigen.

Zwischen Sichtbarkeit und dem Wunsch, einfach zu gestalten

Ich lerne vieles davon erst während ich es tue. Ich habe mir das Töpfern selbst beigebracht – und genauso arbeite ich mich nun durch all die anderen Bereiche, die zu einem eigenen Onlineshop gehören.

Nicht jeder Schritt gelingt sofort. Manche Einstellungen kosten Stunden, obwohl sie von außen nach einer Kleinigkeit aussehen. Begriffe ändern sich, Systeme werden aktualisiert und der nächste Algorithmus scheint schon zu warten.

Trotzdem gehört auch das inzwischen zu meinem Weg mit MABA Ceramic Studio.

Denn ich möchte nicht nur Keramik herstellen. Ich möchte, dass meine Stücke Menschen erreichen, die handgemachte Formen, kleine Unregelmäßigkeiten und die sichtbaren Spuren echter Handarbeit zu schätzen wissen.

Am Ende kehre ich zum Ton zurück

Zwischen all den Texten, Einstellungen und offenen Aufgaben versuche ich mir immer wieder bewusst zu machen, warum ich damit begonnen habe.

Wegen des Tons.

Wegen dieses besonderen Moments, in dem unter meinen Händen etwas entsteht, das vorher nur eine Vorstellung war. Wegen der Ruhe beim Formen und wegen der Freude, wenn ein Stück nach dem letzten Brand so vor mir steht, wie ich es mir erhofft hatte – oder mich auf eine unerwartete Weise überrascht.

Die Arbeit rund um den Onlineshop wird wahrscheinlich nie mein liebster Teil sein. Aber sie hilft dabei, dass sich die Regale irgendwann wieder leeren und meine Keramik ihren Platz bei einem anderen Menschen findet.

Und dann entsteht in meinem Studio wieder Raum – für Ton, für neue Formen und für die nächste Idee.