Töpfern, Kreativität & Handmade-Alltag der echte Alltag hinter MABA

Hier geht es um mehr als fertige Keramik. Ich nehme dich mit in meinen Alltag mit Ton und Keramik – zu neuen Ideen, kreativen Experimenten und besonderen Projekten, aber auch zu Missgeschicken und Dingen, die ganz anders laufen als geplant. Ich teile Gedanken und Erfahrungen aus meiner Werkstatt und erzähle davon, was es bedeutet, ein kleines Handmade-Unternehmen zu führen. Dazu gehören auch die weniger kreativen Seiten: neue Regeln und Gesetze, Verpackung, Versand, Bürokratie und all die Herausforderungen, die manchmal plötzlich auf dem Arbeitstisch landen. Ein Blog über Keramik und Kreativität, kleine und große Herausforderungen und das echte Leben hinter MABA Ceramic Studio. Viel Freude beim Lesen und Entdecken.

Töpfern, Kreativität & Handmade-Alltag

Keramik, Kreativität und warum mein Kopf manchmal einfach nicht stillsteht

Kennt ihr das, wenn euch nachts eine Idee in den Kopf schießt und sie einfach nicht mehr weggeht?

Mir passiert das ständig.

Eigentlich müsste ich schlafen. Stattdessen liege ich da und sehe dieses Stück schon ganz genau vor mir. Die Form, die Glasur, vielleicht noch irgendein kleines Detail. In meinem Kopf ist natürlich alles perfekt.

Und am liebsten würde ich sofort aufstehen und anfangen.

Irgendwann ist endlich Morgen. Ich setze mich an die Töpferscheibe, nehme den Ton und will diese Idee, die mich die halbe Nacht wachgehalten hat, unbedingt umsetzen.

Und dann stelle ich fest: Das sieht ja furchtbar aus.

Zu plump. Zu viel gewollt. Die Proportionen stimmen nicht. Die Dinge, die in meinem Kopf wunderbar miteinander harmoniert haben, tun es in Wirklichkeit überhaupt nicht.

Oder noch besser: Es funktioniert tatsächlich. Ich bin begeistert. Und dann versuche ich mir vorzustellen, wie ich dieses Stück noch einmal machen soll und denke: Vergiss es. Viel zu kompliziert. Viel zu schwer reproduzierbar.

Das sind die Momente, in denen Ton einen ziemlich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holt.

Und trotzdem kommt irgendwann nachts die nächste Idee.

Ich weiß, dass es fertig ist. Ich kann nur nicht aufhören.

Das ist wahrscheinlich eine meiner schlimmsten Eigenschaften beim Töpfern.

Da sitze ich manchmal stundenlang an einem Stück.

Und irgendwann ist dieser Moment da: Es ist richtig gut.

Nicht „ganz okay“. Nicht „kann man so lassen“.

Sondern so, dass ich dasitze und wirklich denke: Wow. Das ist mir gelungen.

Ein vernünftiger Mensch würde jetzt aufhören.

Ich nicht.

Da ist noch diese winzige Stelle.

Nur ganz schnell.

Das dauert zwei Sekunden.

Und plötzlich halte ich etwas in der Hand, an dem ich vorher stundenlang gearbeitet habe – und habe es mit genau dieser einen vollkommen überflüssigen Verbesserung kaputtgemacht.

Dann sitze ich da und könnte mich selbst erwürgen.

Nicht wegen des Tons. Nicht wegen irgendeines Fehlers, den ich noch nicht kannte.

Sondern weil ich ganz genau wusste, dass ich aufhören sollte.

Und es trotzdem nicht getan habe.

Warten kann ich übrigens auch richtig schlecht

Ein Stück muss trocknen.

Das weiß ich.

Natürlich weiß ich auch, dass noch vorhandene Feuchtigkeit im Ton und ein heißer Keramikofen keine besonders gute Kombination sind.

Ich weiß es wirklich.

Und trotzdem stehe ich manchmal vor einem Stück und denke:

Das müsste doch jetzt trocken sein.

Ich weiß eigentlich, dass es das noch nicht ist.

Aber vielleicht ja doch?

Also Schrühbrand starten.

Und irgendwann:

KNALL.

Wer dieses Geräusch einmal aus seinem Keramikofen gehört hat, braucht eigentlich nicht mehr nachzusehen.

Ich weiß sofort, was passiert ist.

Und dann kommt dieser wunderbare Moment, in dem man sich selbst sagen darf:

Madlen. Du wusstest es.

Ja.

Wusste ich.

Das sind keine Anfängerfehler. Und sie passieren mir auch nicht, weil ich nicht verstanden habe, wie Ton funktioniert.

Es ist diese Ungeduld in mir. Diese ständige innere Unruhe. Dieses Ich will jetzt.

Manchmal ist sie großartig, weil sie mich Ideen sofort ausprobieren lässt.

Und manchmal kostet sie mich einen halben Tag Arbeit.

Vielleicht brauche ich den Ton genau deshalb

Es gibt nämlich auch Tage, an denen ich mich nicht mit einer Idee an die Töpferscheibe setze.

Ich will dann nichts Neues entwickeln.

Ich brauche kein Produkt für den Shop.

Eigentlich möchte ich überhaupt nichts herstellen.

Ich brauche nur Ton zwischen meinen Händen.

Es gibt Dinge aus meinem anderen Alltag, die bleiben manchmal bei mir.

Begegnungen. Menschen. Momente.

Dinge, die mich berühren und die ich nicht einfach abschütteln kann, nur weil ich wieder zu Hause bin. Und über manches möchte ich auch gar nicht reden.

Dann gehe ich an meine Töpferscheibe.

Und meistens funktioniert am Anfang erst einmal gar nichts.

Ich bin angespannt. Meine Gedanken springen hin und her. Ich will den Ton zentrieren und der Ton macht alles – nur nicht das, was ich möchte.

Je unruhiger ich werde, desto weniger funktioniert es.

Eigentlich ziemlich passend.

Also noch einmal.

Hände an den Ton.

Druck.

Loslassen.

Wieder Druck.

Atmen.

Und irgendwann passiert etwas.

Der Ton läuft plötzlich ruhig unter meinen Händen.

Ich merke, wie meine Schultern nicht mehr so angespannt sind. Mein Kopf wird leiser. Ich denke nicht mehr an fünf Dinge gleichzeitig.

Ich denke eigentlich gar nicht mehr besonders viel.

Da sind nur noch meine Hände und dieser Ton.

Und irgendwann schaue ich nach unten und da steht plötzlich eine Vase.

Oder ein Kerzenhalter.

Ohne Plan. Ohne schlaflose Nacht vorher. Ohne Zeichnung und ohne die große Idee, die unbedingt genauso werden musste, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Es ist einfach entstanden.

Und manchmal sind genau das meine schönsten Stücke.

Vielleicht ist das meine Beziehung zu Ton

Ich bin ungeduldig – und Ton verlangt Geduld.

Ich bin oft unruhig – und an der Töpferscheibe muss ich ruhig werden.

Ich möchte Dinge manchmal unbedingt kontrollieren – und spätestens bei der Glasur und beim Brennen erinnert mich Keramik regelmäßig daran, dass ich eben nicht alles kontrollieren kann.

Vielleicht passt das eigentlich überhaupt nicht zusammen.

Oder gerade deshalb.

Es gibt Abende, da gehe ich an die Töpferscheibe, weil ich Keramik machen möchte.

Und es gibt Abende, da gehe ich hin, weil ich den Ton brauche.

Am Ende steht vielleicht eine Vase vor mir.

Aber manchmal ist das gar nicht das Wichtigste, was an diesem Abend entstanden ist.