Manganor auf Keramik anwenden – Wischtechnik für Muster und Vertiefungen

Wie lässt sich Manganor auf Keramik anwenden? Ich zeige meine ersten Erfahrungen mit der Wischtechnik – vom Anrühren bis zur glasierten Vogeltränke.

Manganor auf Keramik anwenden

Inhaltsverzeichnis

Manganor auf Keramik – wie aus feinen Linien plötzlich Tiefe entsteht

Mit Manganor Muster und Strukturen auf Keramik hervorheben

Manche Muster brauchen Kontrast, um richtig zu wirken.

Genau dafür mag ich Manganor. Ein paar dunkle Linien in den Vertiefungen können die Wirkung einer Keramik komplett verändern. Plötzlich bekommt ein eingeritztes Muster Tiefe, kleine Details treten hervor und Strukturen werden zum eigentlichen Blickfang.

Dabei ist die Technik viel einfacher, als das fertige Ergebnis vermuten lässt.

In diesem Beitrag zeige ich euch Schritt für Schritt, wie ich Manganor auf geschrühter Keramik verwende, wie ich es auftrage und wieder abwische und welche Glasuren sich dafür eignen. An meinen Kerzentellern und einer aufwendig gestalteten Vogeltränke könnt ihr sehen, wie unterschiedlich der Effekt eingesetzt werden kann.

Und weil zu einer guten Anleitung für mich auch der verantwortungsvolle Umgang mit dem Material gehört, geht es weiter unten noch um Sicherheit, Wischwasser und die Frage, warum ich Manganor statt Braunstein verwende.


Was ihr braucht

Für diese Technik verwende ich:

  • ein geschrühtes Keramikstück mit eingeritzten, eingedrückten oder anderweitig gestalteten Strukturen
  • Manganor
  • Wasser
  • einen kleinen Behälter zum Anrühren
  • eine Waage oder einen Messbecher, wenn ihr die Mengen abmessen möchtet
  • einen Pinsel
  • einen Schwamm oder ein weiches Tuch
  • Gummihandschuhe
  • eine geeignete Atemschutzmaske beim Umgang mit dem trockenen Pulver
  • einen separaten Behälter für das Wisch- und Reinigungswasser

Meine Gummihandschuhe trage ich während der gesamten Arbeit mit Manganor. Beim Abwiegen und Anrühren des trockenen Pulvers trage ich zusätzlich eine geeignete Atemschutzmaske und achte darauf, möglichst keinen Staub aufzuwirbeln.

Welche Schutzmaßnahmen für euer konkretes Produkt gelten, schaut bitte zusätzlich im dazugehörigen Sicherheitsdatenblatt nach.

Wenn ihr Manganor zum ersten Mal verwendet, empfehle ich euch außerdem ein kleines Probestück. Ton, Glasur und Brenntemperatur können das spätere Ergebnis beeinflussen – und mit einer kleinen Probe bekommt ihr schnell ein Gefühl dafür, wie Manganor auf euren Materialien wirkt.


1. Das Muster entsteht im Ton

Das eigentliche Muster entsteht bereits bei der Arbeit mit dem Ton.

Ihr könnt Linien einritzen, Muster eindrücken, Stempel verwenden oder Vertiefungen mit plastisch modellierten Elementen kombinieren.

Wie einfach oder aufwendig ihr dabei arbeitet, bleibt vollkommen euch überlassen.

Bei meinen Kerzentellern habe ich beispielsweise Muster direkt in die Oberfläche gearbeitet.


Bei meiner Vogeltränke sind es wesentlich mehr Details: Pflanzen, Wasserringe, Libellen und plastisch modellierte Elemente treffen dort aufeinander.

Der wichtige Punkt ist eigentlich ganz einfach:

Dort, wo später eine dunkle Zeichnung entstehen soll, braucht das Manganor eine Vertiefung, in der es zurückbleiben kann.


2. Schrühbrand

Nachdem das Werkstück vollständig getrocknet ist, wird es zunächst geschrüht.

Ich verwende Manganor anschließend auf der geschrühten Keramik.

Die Oberfläche ist jetzt fest und die zuvor angelegten Linien und Strukturen können weiter bearbeitet werden.


3. Manganor anrühren

Manganor wird als trockenes Pulver verkauft. Ich habe meines in einem 1-kg-Gebinde gekauft. Für diese Technik braucht man allerdings nicht gleich große Mengen davon.

Das restliche trockene Pulver verschließe ich nach der Entnahme wieder gut und bewahre es trocken im Originalgebinde auf. So steht das Pulver nicht länger offen in der Werkstatt als nötig.

Beim Abwiegen und Anrühren trage ich Gummihandschuhe und eine geeignete Atemschutzmaske.

Für meinen ersten Ansatz habe ich ungefähr 80 g Manganor mit 100 ml Wasser angerührt.

Diese Mengenangabe ist meine persönliche Orientierung und keine allgemeingültige Rezeptur. Entscheidend ist für mich vielmehr die Konsistenz.

Die Mischung sollte ungefähr sahneartig sein.

Sie soll sich mit dem Pinsel gut verteilen lassen und problemlos in die Vertiefungen gelangen, aber nicht so dünn sein, dass sie wie Wasser über die Keramik läuft.

Wasser gebe ich deshalb lieber nach und nach hinzu. Je nach Manganor und gewünschter Verarbeitung kann die benötigte Menge etwas variieren.

Beim Anrühren arbeite ich langsam und vorsichtig, damit möglichst wenig Staub entsteht.


4. Manganor auftragen

Jetzt wird das angerührte Manganor mit dem Pinsel aufgetragen.

Dabei müsst ihr nicht versuchen, jede eingeritzte Linie einzeln mit einer feinen Pinselspitze nachzumalen.

Im Gegenteil: Das Manganor darf über die strukturierte Fläche gestrichen werden.

Wichtig ist, dass es wirklich in die Vertiefungen gelangt.


Das Werkstück kann dabei zunächst ziemlich dunkel werden.

Und genau deshalb finde ich die nächsten Bilder für eine Anleitung so hilfreich: Man sieht, dass die nahezu schwarze Oberfläche an diesem Punkt kein misslungener Arbeitsschritt ist.


Das überschüssige Material kommt im nächsten Schritt wieder herunter.

5. Abwischen – und das Muster kommt zum Vorschein

Jetzt wird das überschüssige Manganor wieder von der Oberfläche genommen.

Dafür verwende ich einen feuchten Schwamm oder ein weiches Tuch.

Ich wische vorsichtig über die höher liegenden Flächen. Dort wird das Manganor nach und nach entfernt, während in den eingeritzten Linien und Vertiefungen mehr davon zurückbleibt.


Und genau jetzt wird sichtbar, warum sich die vorherige Arbeit lohnt.

Mit jedem Wischen kommen die Strukturen deutlicher hervor.


Dabei muss die übrige Fläche nicht vollkommen frei von Manganor werden.

Je nachdem, wie stark ihr abwischt, kann außerhalb der Vertiefungen ein leichter dunkler Schleier oder eine Schattierung zurückbleiben. Dadurch kann die Oberfläche lebendiger wirken.

Ihr könnt relativ sauber wischen, sodass hauptsächlich die dunklen Linien stehen bleiben, oder bewusst etwas mehr Manganor auf einzelnen Bereichen lassen.

Ich entscheide das direkt am jeweiligen Stück.

Man sieht beim Wischen ziemlich schnell, wann das Muster die Wirkung bekommt, die man haben möchte.


6. Gut trocknen lassen, glasieren und brennen

Nach dem Abwischen lasse ich das mit Manganor behandelte Stück erst einmal vollständig trocknen.

Durch das Auftragen und anschließende Abwischen mit Wasser hat die geschrühte Keramik wieder Feuchtigkeit aufgenommen.

Ich lasse meine Stücke deshalb lieber bis zum nächsten Tag stehen – ungefähr 24 Stunden –, bevor ich glasiere.

Danach kann das Stück glasiert und anschließend gebrannt werden.

Wenn ihr die herausgearbeiteten Strukturen weiterhin deutlich sehen möchtet, eignen sich transparente oder halbtransparente Glasuren besonders gut.

Eine stark deckende Glasur kann genau das wieder verdecken, was wir vorher herausgearbeitet haben.

Ihr müsst aber nicht zwingend glasieren.

Manganor kann auch ohne darüberliegende Glasur wirken.

Welche Kombination euch am besten gefällt, hängt vom verwendeten Ton, Manganor, der Glasur und eurer Brenntemperatur ab.

Gerade beim ersten Versuch lohnt sich deshalb wieder das kleine Probestück: Ihr könnt einen Bereich transparent, einen halbtransparent und einen weiteren gar nicht glasieren.

Nach dem Brand habt ihr eure eigene Vergleichsprobe.


7. Wohin mit dem Wischwasser?

Beim Abwischen landet ein Teil des Manganors im Schwamm beziehungsweise Tuch und im verwendeten Wasser.

Dieses Wisch- und Reinigungswasser schütte ich nicht einfach ins Waschbecken oder in die Toilette.

Ich sammle es separat in einem beschrifteten Behälter.

Wenn das Wasser längere Zeit steht, können sich die festen keramischen Bestandteile am Boden absetzen.

Auch diese Rückstände gehören nicht einfach in den Ausguss oder in den Garten.

Wie solche Materialreste bei euch entsorgt werden müssen, richtet sich nach den örtlichen Vorgaben. Im Zweifel fragt bitte bei eurem Wertstoffhof oder der kommunalen Abfallberatung nach.

Für mich gehört dieser Schritt genauso zum Arbeiten mit keramischen Rohstoffen wie das Anrühren, Auftragen und Brennen.

Das fertige Stück ist schließlich nicht das Einzige, was nach unserer Arbeit übrig bleibt.



Manganor oder Braunstein – was ist eigentlich der Unterschied?

Jetzt noch zu einem Punkt, über den ihr wahrscheinlich stolpert, wenn ihr nach dieser Technik sucht.

Braunstein ist eine traditionelle Bezeichnung für Mangandioxid beziehungsweise Mangan(IV)-oxid (MnO₂) und wird ebenfalls in der Keramik verwendet.

Mangandioxid kann beim Einatmen gesundheitsschädlich sein. Bei längerer beziehungsweise wiederholter inhalativer Exposition bestehen darüber hinaus gesundheitliche Risiken.

Ich persönlich verwende für diese Technik deshalb Manganor und keinen losen Braunstein.

Manganor wird im Keramikbedarf als kennzeichnungsfreier Ersatz für Braunstein angeboten. Das von mir verwendete Manganor ist laut Sicherheitsdatenblatt nicht als gefährlicher Stoff beziehungsweise gefährliches Gemisch eingestuft.

Trotzdem ist mir eine Sache wichtig:

„Kennzeichnungsfrei“ bedeutet für mich nicht „sorglos damit umgehen“.

Manganor ist ein feiner keramischer Rohstoff. Ich möchte diesen Staub genauso wenig in meiner Werkstatt verteilen oder einatmen wie andere keramische Rohstoffstäube.

Deshalb arbeite ich auch mit Manganor staubarm und sauber.


Sicherheit – das solltet ihr beachten

Ich möchte euch mit diesem Abschnitt nicht abschrecken. Gerade wenn ihr noch am Anfang steht, begegnen euch beim Töpfern irgendwann viele Namen von Glasuren, Oxiden und anderen keramischen Rohstoffen, und das kann zunächst komplizierter klingen, als es ist.

Man muss nicht vor diesen Materialien Angst haben.

Man sollte nur wissen, womit man arbeitet und wie man damit richtig umgeht.

Bei Manganor bedeutet das für mich:

  • Ich lese das Sicherheitsdatenblatt meines Produktes.
  • Beim Abwiegen und Anrühren des trockenen Manganors trage ich eine geeignete Atemschutzmaske.
  • Während der gesamten Verarbeitung trage ich Gummihandschuhe.
  • Ich arbeite möglichst staubarm.
  • Trockenes Pulver wird nicht herumgewirbelt oder trocken zusammengefegt.
  • Das restliche Pulver wird wieder gut verschlossen und trocken aufbewahrt.
  • Während der Arbeit esse und trinke ich nicht am Arbeitsplatz.
  • Danach reinige ich Hände und Arbeitsbereich gründlich.
  • Wischwasser und Materialreste kommen nicht einfach in Waschbecken, Toilette oder Garten.
  • Beim Brennen gelten selbstverständlich die Sicherheitsanforderungen für den Keramikofen und eine geeignete Lüftung beziehungsweise Ofenentlüftung.

Und egal welches Manganor oder welches andere keramische Material ihr verwendet:

Schaut immer in das Sicherheitsdatenblatt eures konkreten Produktes.


Was ich an der Technik besonders mag

Bei meinen Kerzentellern sieht man sehr schön, wie schon ein relativ schlichtes Muster durch die dunklen Vertiefungen eine völlig andere Wirkung bekommt.

Die Kerzenteller in dieser Anleitung habe ich verwendet, um euch die einzelnen Arbeitsschritte zu zeigen. Einen der fertig gebrannten Teller findet ihr hier als hellen Kerzenteller für Stumpenkerzen mit Manganor. Das Manganor hebt die Vertiefungen des von Hand eingeprägten Musters hervor. Anschließend wurde der Teller transparent glasiert.

Bei der Vogeltränke kann ich euch ebenfalls das fertige Ergebnis zeigen.


Hier zeigt sich, was mit derselben Grundtechnik bei einer wesentlich aufwendigeren Gestaltung möglich ist.

Zwischen Pflanzen, Libellen, Wasserringen und plastischen Elementen entstehen dunkle Linien und Kontraste. Unter der hellen Glasur bleiben die Strukturen sichtbar und die vielen kleinen Details lassen sich deutlich voneinander unterscheiden.

Und genau das gefällt mir daran.

Manganor malt das Muster nicht auf meine Keramik.

Das Muster ist schon im Ton.

Das Manganor hebt hervor, was vorher mit den Händen und Werkzeugen in die Oberfläche gearbeitet wurde.

Man kann mit ein paar einfachen Linien anfangen. Oder man kann die Technik für sehr viel aufwendigere Oberflächen nutzen.

Beides funktioniert nach demselben Prinzip.

Und vielleicht ist genau das eine der Sachen, die ich am Töpfern so liebe:

Man lernt eine eigentlich einfache Technik – und irgendwann merkt man, wie viele Möglichkeiten darin stecken.


Probiert es am besten zunächst an einem kleinen Stück aus.

Ein paar Linien, ein bisschen Manganor, unterschiedliche Glasuren – und dann heißt es wie so oft beim Töpfern:

Ofen zu.

Warten.

Und schauen, was daraus geworden ist. 😊


Hinweis

Dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Arbeitsweise mit Manganor und soll euch den Einstieg in diese Gestaltungstechnik erleichtern. Er ersetzt weder die Herstellerangaben noch das Sicherheitsdatenblatt des konkret verwendeten Produktes. Bitte beachtet die dort genannten Schutzmaßnahmen sowie die für euch geltenden Vorgaben zur Entsorgung.

Über mich

Ich bin Madlen und stehe hinter MABA Ceramic Studio. In meiner Werkstatt entstehen handgefertigte Keramikstücke – manchmal schlicht, manchmal mit ziemlich vielen kleinen Details.