Meine ersten Keramikstücke aus dem Holz- und Salzbrand

Feuer, Holz, Salz und eine lange Woche voller Spannung: Im März 2023 durfte ich meine ersten handgefertigten Keramikstücke in einem kleinen Holzbrandofen brennen. Ein Rückblick auf ein besonderes Erlebnis und drei Keramikstücke, die das Feuer sichtbar geprägt hat.

Holzbrand und Salzbrand – meine ersten Keramikstücke
Im Sommer 2022 durfte ich beim Bau eines kleinen Holzbrandofens mithelfen. Am 11. März 2023 war es dann endlich so weit: Zum ersten Mal konnte ich einige meiner handgefertigten Keramikstücke in diesem Ofen brennen lassen.

Für diesen besonderen Brand hatte ich drei Werke von Hand modelliert. Nachdem sie vollständig getrocknet waren, wurden sie zunächst bei etwa 950 °C geschrüht. Erst danach waren sie stabil genug, um glasiert und für den eigentlichen Holz- und Salzbrand vorbereitet zu werden.

Eine Woche vor dem Holzbrand glasierte ich meine Stücke. Dabei entschied ich mich unter anderem für eine Seladonglasur und probierte außerdem einige neue Glasuren aus. Wie diese Glasuren zusammen mit dem dunklen Ton, der Holzasche und dem Salz reagieren würden, ließ sich vorher allerdings kaum vorhersagen.

Genau das macht einen Holzbrand für mich so besonders: Nicht jedes Ergebnis lässt sich planen.

Der Holzbrand

Nachdem alle Keramikstücke sorgfältig in den Ofen eingesetzt worden waren, wurde dieser verschlossen und mit Holz befeuert. Über viele Stunden mussten regelmäßig kleine Holzscheite nachgelegt werden, damit die Temperatur langsam anstieg und schließlich etwa 1.200 bis 1.300 °C erreichte.

Während des Brandes entstehen Flammen, Glut und Asche. Die Holzasche wird durch den Luftstrom im Ofen bewegt und kann sich auf den Keramikstücken ablagern. Bei ausreichend hoher Temperatur verbindet sie sich mit der Oberfläche und bildet ganz eigene Spuren und Glasuren.

Beim Salzbrand wird zusätzlich Salz in den heißen Ofen eingebracht. Bestandteile des verdampfenden Salzes reagieren mit der Keramikoberfläche. Dadurch können charakteristische, lebendige Strukturen und Farbverläufe entstehen.

Kein Stück gleicht dem anderen

Bei einem solchen Brand kann vieles anders verlaufen als erwartet. Temperatur, Platzierung im Ofen, Flammenführung, Asche und Salz beeinflussen jedes einzelne Keramikstück.

Manchmal entstehen raue Stellen, Farbwechsel, kleine Blasen oder unregelmäßige Oberflächen. Für mich sind diese Spuren keine Makel. Sie erzählen davon, wie das Stück gebrannt wurde, und machen einen echten Holz- und Salzbrand unverwechselbar.

Das lange Warten

Nach dem Ende des Brandes musste der Ofen vollständig und langsam abkühlen. In dieser Zeit durfte er nicht zu früh geöffnet werden, denn ein plötzlicher Temperaturwechsel könnte die Keramik beschädigen.

Das Warten fühlte sich unglaublich lang an. Schließlich wusste ich nicht, ob meine Stücke den Brand unbeschadet überstanden hatten und wie Ton, Glasuren, Salz und Asche miteinander reagiert hatten.

Als der Ofen endlich geöffnet wurde, gab es viel zu entdecken. Neben meinen eigenen Arbeiten standen darin wunderschöne Teeschalen und Schüsseln der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auch Anton, die kleine freche Möwe, schien alle Werke ganz genau zu betrachten.

Meine Ergebnisse

Besonders faszinierend fand ich die Stellen, an denen sich Salz und Holzasche sichtbar auf die Keramik gelegt hatten. Auf einer meiner Vasen entstanden am Hals kleine Blasen. Sie sind ein unmittelbares Ergebnis des Brandes und gehören für mich zur Geschichte dieses Stückes.

Da ich dunklen Ton verwendet hatte, entwickelten einige Bereiche einen rostig roten Schimmer. Die aufgetragene Seladonglasur zeigte sich auf diesem Ton allerdings anders als erwartet: Statt der erhofften typischen Seladonwirkung erschien sie eher in einem tiefen Waldgrün.

Auch wenn das Ergebnis nicht genau meiner ursprünglichen Vorstellung entsprach, liebe ich diese rustikale und lebendige Optik. Die Stücke zeigen, was Feuer, Holz, Salz und Asche bewirken können. Sie lassen sich nicht vollständig kontrollieren – und gerade deshalb sind sie einzigartig.

Meine ersten drei Werke aus dem Holz- und Salzbrand erinnern mich bis heute daran, dass beim Töpfern nicht immer alles planbar sein muss. Manchmal entstehen die spannendsten Oberflächen genau dort, wo das Feuer seine eigene Handschrift hinterlässt.
  • Auf dem dunklen Ton entstanden rostrote Farbtöne. Die Seladonglasur entwickelte sich darauf
    Auf dem dunklen Ton entstanden rostrote Farbtöne. Die Seladonglasur entwickelte sich darauf überraschend zu einem tiefen Waldgrün.
  • Im Sommer durfte ich beim Bau des kleinen Holzbrandofens mithelfen. Hier entstand der Brennraum
    Im Sommer durfte ich beim Bau des kleinen Holzbrandofens mithelfen. Hier entstand der Brennraum Stück für Stück aus feuerfesten Steinen.
  • Bereits im Sommer zuvor durfte ich beim Bau des kleinen Holzbrandofens mithelfen. Schicht für
    Bereits im Sommer zuvor durfte ich beim Bau des kleinen Holzbrandofens mithelfen. Schicht für Schicht entstand aus feuerfesten Steinen ein Ofen, in dem später unsere Keramik gebrannt werden sollte. Bis dahin kannte ich einen Brennofen vor allem als fertiges Arbeitsgerät. Beim gemeinsamen Aufbau bekam ich einen ganz anderen Einblick: Jeder Stein, die Form des Brennraums und die Wege für Flammen und heiße Luft spielen beim späteren Brand eine Rolle. Es war ein besonderes Gefühl, Monate später meine eigenen Keramikstücke genau in dem Ofen brennen zu dürfen, an dessen Entstehung ich selbst ein kleines Stück mitgewirkt hatte.
  • Meine ersten handgefertigten Keramikstücke nach dem Holz- und Salzbrand.
    Meine ersten handgefertigten Keramikstücke nach dem Holz- und Salzbrand.
  • Feuer, Holzasche und Salz hinterließen eine rustikale Oberfläche mit ganz individuellen
    Feuer, Holzasche und Salz hinterließen eine rustikale Oberfläche mit ganz individuellen Farbverläufen.
  • Die kleinen Blasen auf der Vase entstanden durch die Bedingungen während des Salzbrandes. Für mich
    Die kleinen Blasen auf der Vase entstanden durch die Bedingungen während des Salzbrandes. Für mich sind sie kein Makel, sondern ein sichtbarer Teil der Entstehungsgeschichte.
  • Meine ersten drei von Hand modellierten Stücke für den Holzbrand. Vor dem Schrühbrand mussten sie
    Meine ersten drei von Hand modellierten Stücke für den Holzbrand. Vor dem Schrühbrand mussten sie vollständig trocknen.