Handmade mit Hindernissen – warum Aufgeben für mich keine Option ist

Handmade mit Hindernissen – aber Aufgeben ist keine Option
Wer einen kleinen Handmade-Shop sieht, sieht meistens das fertige Produkt: ein handgefertigtes Einzelstück, schöne Bilder und ein liebevoll verpacktes Paket.
Was man nicht sieht, ist all das, was im Hintergrund bewältigt werden muss.
Hinter MABA Ceramic Studio stehe nur ich. Ich entwickle meine Keramik, töpfere, drehe ab, glasiere, brenne, fotografiere, schreibe Produkttexte, beantworte Nachrichten, verpacke Bestellungen und kümmere mich um den Versand. Gleichzeitig arbeite ich hauptberuflich in Vollzeit.
Und dann gibt es noch einen Bereich, der immer größer wird: neue Gesetze, Verordnungen und Pflichten.
Verpackungsregistrierungen, länderspezifische Vorgaben, Produktsicherheit, Kennzeichnungspflichten, Steuerfragen, Rechtstexte und ständig neue Anforderungen an Onlineshops – als kleines Handmade-Unternehmen muss ich mich in all diese Themen selbst einarbeiten.
Ich habe keine eigene Rechtsabteilung, keine Buchhaltung im Nebenzimmer und kein Team, das mir diese Aufgaben abnimmt.
Ich muss selbst herausfinden, welche Bestimmungen gelten, welche Registrierungen notwendig sind und welche zusätzlichen Kosten entstehen. Neben den Ausgaben für Ton, Glasuren, Strom, Verpackungsmaterial, Versand, Verkaufsplattformen und Zahlungsanbieter kommen weitere Gebühren und ein erheblicher Zeitaufwand hinzu.
Für große Unternehmen mögen solche Beträge und Aufgaben überschaubar sein. Für einen kleinen Shop können sie darüber entscheiden, ob sich ein Verkauf außerhalb Deutschlands überhaupt noch tragen lässt.
Warum ich nur noch innerhalb Deutschlands versende
Eine der schwersten Entscheidungen war zunächst, meinen weltweiten Versand auf die Europäische Union zu begrenzen. Inzwischen habe ich auch den Versand in andere EU-Länder eingestellt.
Aktuell versende ich meine Keramik deshalb ausschließlich innerhalb Deutschlands.
Das ist für mich nicht einfach nur eine Änderung in den Versandeinstellungen. Meine Keramik hat bereits Menschen in Japan, Malaysia und anderen Teilen der Welt erreicht. Der Gedanke, dass ein von mir geschaffenes Stück eine so weite Reise antritt und an einem vollkommen anderen Ort ein neues Zuhause findet, hat mich immer berührt.
Zu wissen, dass ich Kundinnen und Kunden außerhalb Deutschlands derzeit nicht mehr bedienen kann, ist deshalb bitter.
Gerade Handmade lebt davon, dass ein besonderes Stück genau den Menschen findet, der sich darin wiedererkennt – unabhängig davon, wo dieser Mensch lebt. Dass immer mehr bürokratische, organisatorische und finanzielle Hürden diese Verbindung erschweren, empfinde ich als traurig.
Aber ich muss verantwortlich handeln. Ich kann nicht einfach in andere Länder versenden, ohne sicher zu wissen, welche Vorschriften dort gelten und welche Verpflichtungen damit verbunden sind.
Diese Einschränkung ist kein Aufgeben. Sie ist eine bewusste Entscheidung, meinen Shop in einem Rahmen weiterzuführen, den ich neben meiner Arbeit und der Herstellung meiner Keramik noch bewältigen kann.
Überforderung bedeutet nicht, dass man ungeeignet ist
Natürlich fühle ich mich manchmal überfordert.
Nicht, weil ich meine Arbeit nicht liebe. Ganz im Gegenteil. Ich liebe es, aus einem Stück Ton etwas entstehen zu lassen, das es vorher nicht gab.
Aber neben einem Vollzeitjob gleichzeitig Keramikerin, Produktentwicklerin, Fotografin, Texterin, Marketingabteilung, Versandstelle und Ansprechpartnerin für rechtliche sowie organisatorische Fragen sein zu müssen, bringt mich gelegentlich an meine Grenzen.
Ich glaube, vielen kleinen Handmade-Shops geht es ähnlich. Wir wollen keine Sonderbehandlung und wir stellen uns nicht gegen sinnvolle Regeln. Produktsicherheit, Verbraucherschutz und ein verantwortungsvoller Umgang mit Verpackungen sind wichtig.
Die Umsetzung trifft Kleinstunternehmen jedoch besonders hart, weil Zeit, Wissen und Kosten nicht auf mehrere Schultern verteilt werden können.
Trotzdem lasse ich mich davon nicht vertreiben.
Ich werde mich weiter einlesen, nach Lösungen suchen und meinen Shop Schritt für Schritt anpassen. Vielleicht kann ich den Versand zu einem späteren Zeitpunkt wieder erweitern. Im Moment konzentriere ich mich jedoch bewusst auf Bestellungen innerhalb Deutschlands.
Meine Möglichkeiten mögen begrenzt sein – meine Entschlossenheit ist es nicht.
Handmade ist mehr als ein Produkt
Wer bei einem kleinen Handmade-Shop kauft, entscheidet sich nicht nur für einen Gegenstand.
Hinter jedem Stück stehen Zeit, Erfahrung, Fehlversuche, Material, Energie und ein Mensch, der trotz aller Hürden weitermacht.
Jede Bestellung hilft dabei, dass kleine Werkstätten neben großen Plattformen, industrieller Massenware und wachsender Bürokratie bestehen können. Sie ermöglicht es uns, weiterzuarbeiten, neue Ideen umzusetzen und echtes Handwerk sichtbar zu halten.
Die Bedingungen sind schwieriger geworden. Manchmal muss ich meine Pläne ändern, Umwege gehen oder mich von Möglichkeiten verabschieden, die mir wichtig sind.
Aber eines steht für mich fest:
Ich habe MABA Ceramic Studio nicht aufgebaut, um beim ersten Gegenwind aufzugeben. Ich werde weiter töpfern, weiter lernen und weiter für meinen Weg kämpfen.
Vielleicht kann ich meine Keramik im Moment nur innerhalb Deutschlands versenden.
Aber ich bin noch da.
Und ich mache weiter.
