EU-Verpackungsgesetz: Warum keine zentrale Lösung?

EU-Verpackungsgesetze: Warum gibt es keine zentrale Lösung?
Die Europäische Union soll Handel über Ländergrenzen hinweg vereinfachen. Beim Verpackungsrecht ist davon jedoch wenig zu spüren: Wer in mehrere EU-Länder versendet, muss unterschiedliche nationale Register, Meldungen, Gebühren und weitere Vorgaben beachten.
Umweltschutz und Verpackungsverantwortung sind wichtig. Unverständlich ist jedoch, warum ihre Umsetzung innerhalb eines gemeinsamen Binnenmarktes so kompliziert sein muss.
Ein gemeinsamer Markt mit vielen Einzellösungen
Für jedes Lieferland müssen Händler erneut prüfen:
Wo muss ich mich registrieren?
Welches Entsorgungssystem ist zuständig?
Welche Gebühren entstehen?
Wann und wie müssen Verpackungsmengen gemeldet werden?
Wird ein Bevollmächtigter oder Dienstleister benötigt?
Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Land. Besonders für kleine Online- und Handmade-Shops entsteht dadurch ein Verwaltungsaufwand, der in keinem vernünftigen Verhältnis zu einzelnen Bestellungen steht.
Niemand kennt seine zukünftigen Bestellungen
Ein kleiner Shop kann nicht im Voraus wissen, aus welchem EU-Land eine Bestellung kommen wird. Vielleicht kommt ein einziges Paket aus Irland, vielleicht mehrere Bestellungen aus Österreich – vielleicht aber auch gar keine.
Trotzdem können Pflichten bereits vor dem ersten Versand entstehen. Händler müssten sich daher vorsorglich mit zahlreichen nationalen Systemen beschäftigen und möglicherweise Kosten tragen, obwohl in dem betreffenden Land kein einziger Verkauf stattfindet.
Eine Glaskugel für zukünftige Bestellungen gibt es nicht.
Warum nicht eine zentrale EU-Stelle?
Die Lösung könnte einfach sein:
Ein Unternehmen registriert sich einmal für die gesamte EU. Anschließend meldet es jährlich über ein gemeinsames Portal, welche Verpackungsmengen tatsächlich in welches Land versendet wurden. Die zentrale Stelle berechnet die Gebühren und verteilt Gelder und Meldedaten an die jeweiligen Mitgliedstaaten.
Keine Bestellung in Belgien bedeutet keine dort angefallene Verpackungsmenge. Drei Pakete nach Österreich werden Österreich zugeordnet. So erhält jedes Land das Geld für die Verpackungen, die dort tatsächlich zu Abfall werden.
Die Verantwortung bliebe vollständig bestehen – nur ihre Organisation wäre einfacher und gerechter.
Weniger Bürokratie, fairerer Wettbewerb
Große Unternehmen können die Kosten verschiedener Systeme auf Tausende Bestellungen verteilen und eigene Fachabteilungen beschäftigen. Kleine Shops erledigen Herstellung, Verkauf, Buchhaltung und rechtliche Anforderungen häufig allein.
Komplizierte nationale Verfahren treffen deshalb nicht alle Unternehmen gleich. Sie können kleine Händler vom europäischen Verkauf abhalten und großen Unternehmen einen zusätzlichen Vorteil verschaffen.
Eine zentrale Anmeldung würde den EU-weiten Handel erleichtern, ohne den Umweltschutz zu schwächen.
Ein europäisches Verfahren für einen europäischen Markt
Ein gemeinsamer Binnenmarkt braucht eine gemeinsame Lösung:
einmal registrieren, tatsächliche Mengen nach Zielland melden, einmal bezahlen und die Gelder zentral verteilen.
Das würde weniger Bürokratie, weniger unnötige Kosten und mehr Rechtssicherheit bedeuten. Gleichzeitig bliebe gewährleistet, dass jedes Land die ihm zustehenden Verpackungsgebühren erhält.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Warum gibt es für den europäischen Binnenmarkt noch immer keine zentrale Stelle für Verpackungsmeldungen und Verpackungsgebühren?
Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine persönliche Meinung zur Organisation der europäischen Verpackungsverantwortung dar und ist keine Rechtsberatung. Stand: August 2026.
